Projektwerkstatt Manipulation aufklären Autonomie stärken

Manipulation anerkennen.
Mut zur Autonomie.

M.A.M.A. untersucht Manipulationsmechanismen in historischen, sozialen, medialen und innerpsychischen Kontexten – und entwickelt daraus einen praktischen Seminarbaukasten, der kritische Reflexion und selbstbestimmtes Handeln fördert.

Projektidee

These: Manipulation ist nicht nur „Ausnahme“, sondern in vielen Lebenswelten strukturell präsent. Entscheidend ist, wann Einfluss in verdeckte Steuerung kippt – und wie Menschen das erkennen und aufbrechen können.
Didaktischer Kern: Theorie + Praxis. Studierende arbeiten fallbasiert, vergleichen Mechanismen, reflektieren die eigene Urteilsbildung und entwickeln Module, die später wiederverwendbar sind.

Arbeitsdefinition

Damit Analysen vergleichbar werden, nutzt M.A.M.A. eine präzise, operative Definition. Sie dient als Werkzeug, um Fälle in Phasen, Strategien und Wirkungen zu zerlegen.

Manipulation ist eine mehrphasige Form der Beeinflussung, die durch die versteckte Steuerung von Informationen die Autonomie einer Person oder Gruppe untergräbt und deren Denken, Handeln sowie Wahrnehmungsumwelt zu formen versucht.

  • Intention
    Entstehung einer manipulativen Zielsetzung.
  • Beziehungsaufbau
    (Oft emotional) Bindung steigert Beeinflussbarkeit.
  • Strategische Umsetzung
    Konkrete Anwendung manipulativer Taktiken.
  • Wirkung
    Veränderung von Denken, Handeln, Wahrnehmungsrahmen.
  • (Optional) Erkennen / Aufbrechen
    Identifizieren, reflektieren, überwinden.
Prüffrage: Ermöglicht die Informationsstrukturierung eine informierte Selbstbestimmung – oder macht sie abhängig von fremden Absichten?
Hinweis: Manipulation kann auch emergent sein ("Schildkröte-auf-der-Schildkröte"). Entscheidend ist nicht der Ursprung, sondern ob Akteur:innen an irgendeiner Stelle verdeckte Informationssteuerung mit Kontrollabsicht einsetzen.

Zwei Forschungsstränge

Die Projektwerkstatt arbeitet mit zwei komplementären Strategien: fallbasiert (Korpus) und literaturbasiert (selbstverstärkende Mechanismen).

Forschungsstrang 1: Kontinuitäten von Manipulation

Ziel: Strategien erfassen, die kontextübergreifend auftreten.

  • Korpus
    Primärmaterial sammeln (z. B. Posts, Reden, Interviews).
  • Sekundärliteratur
    Mechanismen identifizieren, Kategorien entwickeln.
  • Analyse
    Prüfen, welche Strategien im Korpus wie auftreten.

Beispiel-Themen: Religion · Klimakrise · politische Akteur:innen · Kunst

Forschungsstrang 2: Selbstverstärkende Mechanismen

Ziel: Verstehen, wie Mechanismen Manipulation stabilisieren und intensivieren.

  • Definition festlegen
    Vorhandene Definition aus Forschung nutzen (statt neu erfinden).
  • Literatur bündeln
    Kommunikationswissenschaft · Psychologie · Systemtheorie u. a.
  • Kritisch einordnen
    Ergebnisse vergleichen, Grenzen & Annahmen sichtbar machen.
  • Optional: autobiografische Methode
    Selbstbeobachtung + Vergleich: Vorannahmen vs. Recherche.

Beispiel-Themen: Echokammern/Bubbles · Gender · Pharma · Kapitalismus · Diskurssteuerung

Semesterplan (4 Semester)

Die Projektwerkstatt ist als wachsender Entwicklungsprozess angelegt: Baseline → Module → Praxistest → Verstetigung.

Semester 1

Baseline schaffen

Theoretische & methodische Grundlagen zu Manipulation und KI. Gemeinsamer Zeitplan, Ziele, erste Guidelines und Best Practices für KI-gestützte Seminargestaltung.

Semester 2

Konzepte entwickeln

Neue Teilnehmende onboarding. Danach: eigenständige Seminarmodule bauen (Inhalte, Übungen, Ablaufpläne, Methodenbausteine) – als adaptierbares Repertoire.

Semester 3

Anwenden & testen

Module in der Praxis erproben (Workshops/Mini-Seminare mit Partnern). Erfahrungen systematisch reflektieren und in den Baukasten zurückspielen.

Semester 4

Verstetigen & teilen

Ergebnisse aufbereiten, dokumentieren und ggf. digital veröffentlichen. Perspektive: Open-Source-Plattform/Methodensammlung/öffentliche Abschlussveranstaltung.

Kick-off Wochenende (jedes Semester)

Kennenlernen, Stärken & Synergien sichtbar machen, Baseline rekapitulieren (ab Semester 2), methodisch arbeiten und eine offene Kommunikationskultur etablieren.

Haltung

Kritische Bildung als Praxis: nicht nur Mechanismen „da draußen“ analysieren, sondern auch die eigene Urteilsbildung als Teil des Forschungsprozesses ernst nehmen.

Ergebnisse, Abgaben, Meilensteine

Was entsteht (im Seminarbetrieb)?

  • Korpora & Analysen
    Alphabetisch dokumentiert, mit eindeutiger Zuordnung von Metadaten und Material.
  • Mechanismen-Katalog
    Tabelle: Strategie · Definition · Korpusbeispiel · Literaturangaben.
  • Methoden- & Definitionsdokumente
    Für Strang 2: Definition + Rechercheergebnisse, kritisch eingeordnet.
  • Reflexion
    Kreativ möglich: Bild, Video, Podcast – Fokus auf Lernprozess.

Fristen (aus dem Leitfaden)

  • Sprechstunde (Zwischenstand)
    Mitte Januar: Vorstellung bisheriger Ergebnisse (Korpus/Recherche bzw. Definition fertig, Recherche gestartet).
  • Finale Abgabe
    Ende März: Einreichung der finalen Ergebnisse.

(Datumsdetails bitte in der aktuellen Seminarsituation gegenchecken.)

Arbeitsweise & Tools

Dokumentation

Entscheidungen + Begründungen protokollieren, Exzerpte strukturiert ablegen, Analyse nachvollziehbar machen.

Zotero

Gemeinsame Bibliothek, korrekte Metadaten, sauberer Zitationsstil. PDFs anhängen, aber Notizen ggf. privat halten.

KI-Tools (Rahmung)

Erlaubt als Unterstützung, nicht als Ersatz: keine KI-Texte unverändert übernehmen; Nutzung transparent kennzeichnen; Prompts zugänglich machen.

Mini-Workflow (praktisch)

1) Thema eingrenzen (Ort · Zeit · Personengruppe) · 2) Material sammeln · 3) Literatur exzerpieren · 4) Mechanismen-Katalog bauen · 5) Analyse schreiben · 6) Ergebnisse modularisieren.

Maskottchen-Mood

Figur: Hände
Figur: laufend
Figur: meditierend

Team

Clemens Timmermann

Master: Theorie & Geschichte der Wissenschaft und Technik (TU Berlin). Fokus: Autonomie, Bildung, gesellschaftlicher Wandel.

Lee Ann Reyneke

Master: Theorie & Geschichte der Wissenschaft und Technik (TU Berlin). Fokus: Wissen–Gesellschaft, Narrative, Diskursprozesse.